Nachtruhe

Und plötzlich ging in Göttingen der Strom aus.

Was bei vielen Anwohnern für kurzzeitige Irritationen sorgte, war von der Stadt Göttingen längst sorgsam geplant. Der Grund für die unbeleuchteten Straßen ist nämlich nicht etwa ein Defekt bei der Stromversorgung, sondern ein eisernes Sparprinzip gegen die leeren Kassen der Stadt. Diese neue Form der Haushaltssanierung sieht vor, alle Straßenlaternen zwischen 12 Uhr in der Nacht und 4 Uhr in den frühen Morgenstunden auszuschalten. Diese Regelung trifft insgesamt neun ländlichere Vororte der Stadt. Mit dieser Maßnahme sollen künftig im ganzen Haushaltsjahr rund 70.000 Euro eingespart werden.

Diese Idee ist keineswegs neu und wird auch nicht nur in Göttingen praktiziert. Auch Bewohner zahlreicher anderer Städte mussten in den letzten Jahren mit ansehen, wie ihre Städte des Nachts auf wunderbare Weise immer dunkler wurden. In sehr dünn besiedelten Gegenden wurden sogar die Ampelanlagen ausgeschaltet. Auf großen Teilen der A59 im nordrhein-westfälischen Duisburg wurde die Beleuchtung gleich ganz abmontiert. Wozu haben Autos schließlich Lampen?

Dass diese Maßnahmen auch negative Seiten haben können, wurde jüngst in Northeim festgestellt. In einer dunklen Straße wurde eine Zeitungsausträgerin hinterrücks überfallen und erlitt dabei auch Verletzungen. Die Räuber hatten sich dank der ausgeschalteten Laternen im Dunklen sicher gefühlt. Nach diesem unglücklichen Ereignis entschloss sich die Stadt Northeim, die Lichter künftig wieder anzuknipsen.

Vor diesen Sparmaßnahmen gab es immer wieder Einwände, die neue Dunkelheit würde dazu führen, die Unfallhäufigkeit in unbeleuchteten Gegenden zu steigern. Beleuchtungen würden schließlich auch zu einer besseren Übersicht über den Verkehr beitragen. Spätere Untersuchungen konnten diesen Einwand allerdings nicht bestätigen. Nimmt die Sichtmöglichkeit ab, fahren die Autofahrer nämlich auch vorsichtiger. So konnten zumindest diese Bedenken zerstreut werden.

Ob die Einsparung von Strom auch in Göttingen zu einem ähnlichen Zwischenfall wie in Northeim führen könnte, dass lassen die Stadtväter nicht zur Diskussion werden. Eine Lösung für die leeren Kassen ist damit also erst einmal gefunden und man ist zufrieden.

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